Ist Moral lehrbar?

Ergebnisse der modernen moralpsychologischen Forschung

Georg Lind
ISBN 978-3-89722-255-7
320 Seiten, Erscheinungsjahr: 2000, durchgesehene und aktualisierte Neuauflage: 2002
Preis: 23.00 EUR

Stichworte/keywords: Moralische Fähigkeiten , Moralentwicklung , Moralerziehung , Moralisches Urteil-Test (MUT) , Bildungstheorie der Moral

Rezensionen:

Moral ist dem Menschen nicht angeboren, er muß sie erwerben. Moral ist erlernbar und - was für Pädagogik noch mehr zählt - lehrbar; bleibt nur die Frage Wie. LINDs Bericht bietet zwei umfassende Antworten - eine inhaltliche, die für Pädagogik und Didaktik einer Moralerziehung bedeutsam ist, und eine methodologische, die für auf Moralerziehung bezogene Forschung wichtig ist!" Prof. Dr. Wilhelm Peterßen in "Unterrichtswissenschaft"- Zeitschrift für Lernforschung

Zusammenfassung
Die Frage, ob Moral eine Fähigkeit und damit lehrbar sei, wird anhand von mehreren empirischen (Quer-, Längsschnitt- und kulturvergleichenden) Studien und Experimenten generell positiv beantwortet. Es finden sich in der modernen moralpsychologischen Forschung keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass moralisches Urteilen ausschließlich eine Frage der Werthaltung und Einstellung und nur durch sozialen Druck zu ändern ist. Es ergeben sich auch keine Hinweise, dass individuelle Unterschiede genetisch bedingt sind. Vielmehr zeigen alle Studien deutlich, dass die Menge und die Qualität von institutionalisierten Bildungsgelegenheiten den mit Abstand größten Einfluss auf die moralisch-kognitive Entwicklung von Kindern und Heranwachsenden haben und mit gezielten Bildungsmaßnahmen dieser Effekt noch deutlich gesteigert werden kann.

Abstract
The question, whether morality is a competence and can be taught, is investigated through several empirical cross-sectional, longitudinal and cross-cultural studies and experiments. According to the findings the answer is yes, they can. Modern moral psychological research has produced no indication that morality is merely a matter of values and attitudes and can be changed only through social coercion. Neither are there any proves that individual differences in moral judgment are genetically determined. Instead, many studies clearly indicate that the amount and quality of intitutionalized education has by far the greatest impact on the moral-cognitive development of children and adolescents and that focussed educational interventions can increase this effect considerably.

Ebenfalls im Logos Verlag erschienen:
Moral ist lehrbar! Wie man moralisch-demokratische Fähigkeiten fördern und damit Gewalt, Betrug und Macht mindern kann


Kommentare zum Buch
Prof. Dr. W. Peterßen
Professor der Erziehungswissenschaft, Universität Konstanz und Pädagogische Hochschule Weingarten; Rezension, Unterrichtswissenschaft, im Druck
"[. . .] Moral ist dem Menschen nicht angeboren, er muss sie erwerben und kann sie erwerben. Moral ist erlernbar und - was für Pädagogik noch mehr zählt - lehrbar; bleibt die Frage nach dem Wie. Linds Bericht bietet zwei umfassende Antworten - eine inhaltliche, die für Pädagogik und Didaktik einer Moralerziehung bedeutsam ist, und eine methodologische, die für auf Moralerziehung bezogene Forschungen wichtig ist! [. . .] Für mich ist der vorliegende Bericht auch eine Streitschrift: Lind streitet dafür, in Schule und Unterricht nicht nur auf kognitives Lernen zur Förderung von Sachkompetenz Wert zu legen (obwohl ihm ganz klar ist, dass auch Moral ohne diese im luftleeren Raume hinge!), sondern demokratiefähiges Verhalten in eben demselben Maße anzustreben, zumal es sich über Moralförderung ja als erreichbar erwiesen hat. [. . .]"

Thomas E. Wren
Professor für Philosophie und Ethik der Erziehung, Loyola University, Chicago; Rezension, Ethics, im Druck (April 2001)
"[. . .] Is morality a competence? If so, can it be promoted through the cognitive instructional methods characteristic of modern day education? Using numerous empirical (cross-sectional, longitudinal and cross-cultural) studies and experiments, Lind concludes, quite justifiably, that the answer to both questions is Yes. [. . .] His [. . .] argument, which is based on a creative mix of post-Kohlbergian cognitive-developmental theory and European social psychology, skillfully pulls together findings from many studies on educational intervention. Evaluating these studies for methodological soundness as well as conceptual integrity, he shows (to put his conclusion most simply) that education matters. That is, institutionalized education has a measurable and significant impact on the moral-cognitive development of children and adolescents, both in general (its effects vary according to the amount and quality of the education) and especially when it includes special "educational interventions" designed to supplement general prosocial attitudes (the relatively noncognitive dimension of one's moral character) with critical thinking about moral issues and contextually sensitive application of abstract moral principles."

Manfred Schmitt
Professor of Psychological Measurement and Developmental Psychology, Universität Trier. Rezension, Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, im Druck.
"Ob Moral lehrbar sei, fragte schon Sokrates in seinem Dialog mit Menon. Linds Buch bejaht diese Frage auf einer breiten Basis empirischer Befunde. [. . .] Lind legt ein reichhaltiges Spektrum empirischer Befunde vor, die für die Validität des MUT und zugunsten seiner Bildungstheorie sprechen, Reifungs- und Sozialistionstheorien in Frage stellen und eine partielle Revision der Theorie Kohlbergs geboten erscheinen lassen. [. . .] Keine dieser Studien würde allein als Beleg für Linds Bildungstheorie ausreichen. Das konsistente Befundmuster methodisch und thematisch unterschiedlicher Untersuchungen besitzt jedoch beträchtliche Überzeugungskraft. Linds Plädoyer für eine moralische Bildungsinitiative ist somit kein Glaubensbekenntnis, sondern vernünftige Schlussfolgerung aus einem beeindruckenden theoretischen, methodischen und empirischen Forschungsprogramm, das der Autor seit 25 Jahren engagiert betreibt.[. . .]"

Prof. Dr. Günter Schreiner
Professor of Education, University of Göttingen, Germany; Brief an den Autor
"Erlauben Sie mir, dass ich Sie zunächst zu dieser eindrucksvollen Sammlung von Befunden und Argumenten zugunsten der Bildungsthese beglückwünsche! [ . . .] So kann ich mir vorstellen, dass Ihr Buch einen Meilenstein im moralpädagogischen Diskurs darstellen wird."

Prof. Dr. Roland Wakenhut
Professor für Sozialpsychologie an der Katholischen Universität Eichstätt; Gutachten für die Annahme des Buchs zur Habilitation
"Für die moralpsychologische Forschung, die nach dem Tode von Lawrence Kohlberg und der Auflösung des Harvard Center for Moral Education ihren Schwerpunkt nach Europa verlagert hat, liefert die Arbeit von Dr. Lind wichtige Impulse. [. . .] Auch wenn der Autor nach eigener Einschätzung seine Arbeit als primär grundlagenorientiert begreift, so sind die praktischen Konsequenzen, die sich aus einer Bestätigung der Bildungsthese ergeben, immer erkennbar. [. . .] Dr. Lind hat sich vom kaum beachteten wissenschaftlichen Außenseiter zu einem anerkannten und gefragten Experten in Sachen empirischer Moralforschung gewandelt. [. . .] Nicht unerwähnt bleiben sollte zudem die Tatsache, dass Dr. Lind zu den Wissenschaftlern zählt, die sich nicht scheuen, ihren theoretischen Entwurf unmittelbar einer Bewährung durch die Praxis auszusetzen. [. . .] Die Arbeit von Dr. Lind ist für die psychologische Moralforschung wie für die Sozialpsychologie allgemein eine im wörtlichen Sinn anstößige Arbeit. [. . .]

Prof. Dr. Fritz Oser
Professor für Pädagogik und Pädagogische Psychologie, Universität Fribourg, Schweiz. Gutachten für die Annahme des Buchs zur Habilitation
"Die vorliegende Arbeit ist reich an Resultaten, herausfordernd in ihren Thesen und sorgfältig in ihrer Darstellung. Selbst wenn man nicht die gleichen theoretischen Positionen wie Georg Lind vertritt, muss man zugeben, dass er einen der bedeutendsten Beiträge zur Moralforschung im deutschen Sprachraum leistet und geleistet hat."

Exemplar(e)